Wir sind alle Schüler*innen!

Aktuelles aus München
Wir sind alle Schüler*innen Demo München
20.12.2017

Wir sind alle Schüler*innen!

2017 haben sich Schülerinnen und Schüler in München deutlich für ihre geflüchteten Mitschülerinnen und Mitschüler positioniert. Unter dem Motto "Wir sind alle Schüler*innen" gab es mehrere Aktionen.

  • Demo Perspektiven Schaffen! des Jungen Bündnis für Geflüchtete
  • Demo Perspektiven Schaffen! des Jungen Bündnis für Geflüchtete
  • Demo Perspektiven Schaffen! des Jungen Bündnis für Geflüchtete
  • Demo Perspektiven Schaffen! des Jungen Bündnis für Geflüchtete
  • Muhammed Schülersprecher Berufsschule Balanstrasse München
  • Wir sind alle Schüler*innen Glockenbach Werkstatt München
  • Wir sind alle Schüler*innen Glockenbach Werkstatt München
  • Wir sind alle Schüler*innen Glockenbach Werkstatt München
  • Wir sind alle Schüler*innen Glockenbach Werkstatt München
  • Wir sind alle Schüler*innen Glockenbach Werkstatt München
  • Wir sind alle Schüler*innen Glockenbach Werkstatt München
  • Wir sind alle Schüler*innen Glockenbach Werkstatt München
  • Wir sind alle Schüler*innen Glockenbach Werkstatt München

2017 haben sich Schülerinnen und Schüler in Bayern und Deutschland deutlich für ihre geflüchteten Mitschülerinnen und Mitschüler positioniert. Unvergessen sicherlich, wie der Versuch von Mitschülerinnen und Mitschülern in Nürnberg eine Abschiebung an ihrer Schule zu verhindern zu einem deutschlandweiten Eklat wurde: eine neuerliche Debatte über bayerische Innenpolitik und Polizeigewalt wurde geführt. Ob Polizistinnen und Polizisten in Schulklassen gehen dürfen um Abschiebungen zu vollziehen, wurde dennoch nicht abschließend geklärt.Unmittelbar nach dem Vorfall bereits standen die Münchner Schülerinnen und Schüler mit vielen anderen Akteuren der Stadtgesellschaft vor dem Kultusministerium in München, um sich mit den Nürnbergern solidarisch zu zeigen. Zahlreiche Musiker, darunter die bekannte Brassband Moop Mama, und viele Redner machten deutlich: Keine Abschiebungen und erst recht nicht in unseren Klassenzimmern!

Der Fall Bivsi Rana

Wenige Tage nach Nürnberg wurde bekannt, dass ein ausschließlich in Deutschland aufgewachsenes Mädchen, Bivsi Rana, in ihrer Schulklasse abgeholt wurde, um die Abschiebung ihrer Familie nach Nepal durchzuführen. Nebst einer Diskussion über Traumatisierung von Schulklassen, wenn Kameradinnen und Kameraden von der Polizei abgeführt werden, verdeutlichte der Fall die Ungerechtigkeit des deutschen Einwanderungs- und Asylsystems.
Von Nepal aus führte die 16-jährige Bivsi Rana via Skype tapfer Live-Interviews mit Nachrichtensendungen in Deutschland. Eindrücklich schilderte sie, teils unter Tränen, was die Situation mit ihr mache: Wie das ist für ein Mädchen mit nepalesischem Pass, das von sich sagt, noch nicht mal richtig nepalesisch zu können. Wie das ist für eine gute Schülerin, die zielstrebig auf das Abitur hinarbeitete und studieren wollte. Wie das ist, wenn von jetzt auf gleich alle Träume platzen. Wie das ist wenn man sein zuhause, Deutschland, mit all seinen Freundinnen und Freunden vermisst.
Für Bivsi Rana gab es doch noch ein happy end. Sie durfte aus „humanitären Gründen“ zurückkehren - ein Einzelfallentscheid basierend auf öffentlicher Empörung. Ihre Eltern durften deshalb auch mit: nicht, weil sie Jahre lang ein gut laufendes Lokal betrieben und Steuern gezahlt haben. Denn ein Einwanderungsgesetz gibt es nicht in Deutschland. Grund für Asyl ist bei der Familie nicht (mehr) gegeben. Und irgendwer hat ausgerechnet, dass uns „Wirtschaftsflüchtlinge“ zu viel kosten und wir stattdessen die Qualifizierten im Ausland anwerben sollten. Die Wiederaufnahme - ein selbstloser Akt des Staates also.

Einzelschicksal macht das Drama greifbar

Wenn das Schicksal von Schülerinnen und Schülern sichtbar wird, merkt die Zivilbevölkerung häufig erst die Brutalität einer Abschiebung; dass „schnelle Abschiebung“ eine nette Idee, aber praxisfremd ist; dass Integration und Erwerb kaputt gemacht wird; Dass es konsequent aber kein Trost ist, wenn eine Kanzlerin ein Kind einer palästinensischen Familie streicheln möchte, weil sie ihm sagen muss, dass es vermutlich trotz guter Leistungen sein Abitur nicht mehr in Deutschland machen und hier Medizin studieren kann, auch wenn es uns flächendeckend an Ärztinnen und Ärzten fehlt. Wem es sich bis dahin noch erschloss, erscheint deutsche Migrationspolitik spätestens dann nicht mehr logisch - selbst wenn hinterher Schmierblätter eine Minderjährige so lange drangsalieren, bis sie zum Beweis der Integrationsverweigerung einen antisemitischen Satz sagt.

Eine Demo von geflüchteten Schülern und Azubis

Auch die Münchner Schülerinnen und Schüler haben dieses Jahr von sich hören gemacht. Sie zeigten sich solidarisch mit geflüchteten Mitschülerinnen und Mitschülern. Geflüchtete Berufsschülerinnen und Berufsschüler haben selbst eine Demonstration organisiert - um zu zeigen, wie unfair die restriktive Auslegung der Dreipluszweiregelung / 3+2-Regelung in Bayern ist. Allen Beteiligten war dabei wichtig, dass die Flüchtlinge dabei die Zügel selbst in der Hand haben - um zu zeigen, wie engagiert sie sind (z.B. ehrenamtlich in der SMV) und dass sie keine Bevormundung brauchen. Stattdessen sollen junge Azubis mit Fluchthintergrund, wie  alle Schülerinnen und Schüler, ernst genommen werden - und eben nicht nur als zu herumschubsendes hoch- oder minderwertiges Humankapital. Deshalb stand die Schülerschaft auch geschlossen solidarisch hinter der Aktion. „Wer sich ehrenamtlich selbstorganisiert und sein Grundrecht auf Demonstrations- und Meinungsfreiheit wahrnimmt, der braucht keine Leitkultur lernen. Der lebt unsere Werte in Europa“, erklärt Lorenz Seibl, Mitarbeiter der Münchner StadtschülerInnenVertretung (SSIV). Unter dem Motto „Wir sind alle Schüler*innen - Perspektiven schaffen“ zogen deshalb am 27. April gut 600 Schülerinnen und Schüler durch die Stadt - vorher hatten die SMVen der Stadt als auch das Junge Bündnis für Geflüchtete ordentlich die Werbetrommel gerührt. Damit schafften sie es nicht nur prominent in die Süddeutsche Zeitung, sondern sogar die Rundschau berichtete neben vielen weiteren prominenten Medien. Vermutlich, weil auch hier wieder die Absurdität so griffig wurde. Beispielsweise in den zahlreichen Reden, die die Schülerinnen und Schüler mit Fluchthintergrund selbst hielten.

Ich soll jetzt das Land verlassen, weil ich aus Ghana komme, obwohl ich die Sprache gelernt, viele Praktika gemacht und mir mit allem viel Mühe gegeben habe. (Muhammed, Schülersprecher Balanstraße)

Ich will weiter zur schule gehen. Ich will in Deutschland weiter lernen. Ich will eine Ausbildung zum Bankkaufmann machen. Ich will nicht immer das Gefühl von Unsicherheit haben. (Hamid, Schülersprecher Schlau-Schule)

Ein Festival für's Miteiander

Mit der Demo war’s noch nicht getan: Am 13. Juli gab es noch ein Solidaritätsfestival gegen „Abschiebung und Ausbildungsverbot - für Bildung, Perspektiven und Solidarität“ in der Glockenbachwerkstatt mit Musikern wie Xavier Darcy. Dazu ein Workshop eines Rechtsexperten zu „Recht&Co bei Protesten“; denn nach den Ereignissen von Nünrberg wollten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen nun doch genauer wissen was erlaubt ist für beide Seiten auf einer Demo und was nicht. Das Team von Willkommen-in-München.de bot Engagementberatung vor Ort an, für diejenigen, die noch nicht für Flüchtlinge aktiv waren und sich künftig ehrenamtlich engagieren wollten. Dazu konnte man sich Jutebeutel selbst bemalen - da rückt man zusammen und kommt ins Gespräch! Aus Sicht der SMVen war der Abend ein voller Erfolg - und wir sind gespannt welche mutigen Aktionen Münchnens Schülerinnen und Schüler in 2018 planen.

 


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AutorIn dieses Artikels

Marina Lessig
Philosophin und Innovationsmanagerin