Ein Anlass zu erzählen - Mal-Workshops in der Mohrvilla

Leuchtende Beispiele
Marlene Pruss in der Kunstwerkstatt der Mohr-Villa München
14.03.2017

Ein Anlass zu erzählen - Mal-Workshops in der Mohrvilla

„Kunst ist ein Türen-Öffner“, sagte Marlene Pruss. In der Kunstwerkstatt der Mohr-Villa heißen die Türklinken Acrylfarbe, Pinsel und Papier. Sie schaffen Flüchtlingen und Münchnern Zugänge – zueinander, zur eigenen Geschichte und der des anderen. Einmal im Monat sitzt man zusammen um einen großen Tisch, die Kunstpädagogin sieht immer neue Gesichter. Ehrenamtliche Unterstützung ist herzlich willkommen.

Schon vor den Workshops öffnen sich viele Türen: Dann, wenn Serena Widmann durch die Gänge der „Lotte Branz-Straße“ läuft und bei den vielen Zimmern der Kurzaufnahme-Einrichtung klopft. So hat sie das von Beginn an gemacht: zuvor in der Bayernkaserne, seit deren Schließung fährt die ehrenamtliche Helferin der Inneren Mission mit dem kleinen Bus ein paar Straßen weiter. Sie muss meist nicht lange klopfen: „Die Leute dort kennen nur die Einrichtung, die freuen sich riesig, wenn sie raus können. Gerade die Menschen aus den afrikanischen Ländern sind sehr offen und lassen sich ein, auch wenn sie gar nicht so genau wissen, was sie in der Mohr-Villa erwartet.“

Viele wollen wiederkommen

Die zwei Stunden in der Kunstwerkstatt verlaufen jeden Monat anders. Mit den Menschen am Tisch wechselt die Stimmung, aber es ändern sich auch die Themen und das verwendete Material. Mal arrangiert Marlene Pruss Stilleben am Tisch, mal dienen Fotos als Ideen, etwa von verschiedenen Trachten, kürzlich hat sie Spiegel mitgebracht – für Selbstporträts. „Das wurde sehr lustig, sie haben viel gelacht.“ Mal geht es laut in der großen Halle zu, manchmal malen alle sehr in sich gekehrt. Nach einer gewissen Zeit spüre man das Bedürfnis der Gruppe, sagt die 30-Jährige: nach immer mehr Papier oder einer anderen Beschäftigung für die Hände. Aus Ton habe einer der Männer kürzlich ein Haus gebaut, sein Haus. „Die zwei Stunden hier sind als Begegnung gedacht. Hier gibt es den Rahmen zuzuhören, man muss nicht kommentieren.“ Viele wollen wiederkommen, erzählt Serena Widmann, schon am nächsten Tag. Die Bilder nimmt niemand mit. Das Malen selbst ist wichtiger. „Bei der Hinfahrt rede meistens nur ich. Bei der Rückfahrt reden alle.“ Einen Monat später sind alle an anderen Orten.

Malworkshop in der Mohr-Villa
Malworkshop in der Mohr-Villa 

Kommunikation ohne Worte

Die Mal-Workshops in der Mohr-Villa hat die Künstlerin und Kunsttherapeutin Elena Deidenbach schon 2013 ins Leben gerufen. Die langjährige Leiterin der Kunstwerkstatt ist im November 2016 gestorben. „Sobald es ihr ein bisschen besser gegangen ist, ist sie zum Workshop gekommen – der war ihr wichtig, das war ‚ihr‘ Baby“, erinnert sich ihre Tochter Caroline Deidenbach. „Sie hat mir viele Geschichten erzählt. Wie man sich über Kunst unterhalten kann, ohne sich zu unterhalten.“

Marlene Pruss ist im Herbst 2014 dazugestoßen. Sie arbeitet beim Kreisjugendring, freiberuflich und als wissenschaftliche Hilfskraft an der Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften der LMU. Und doch bleibt Zeit, sich ehrenamtlich zu engagieren. „Die Arbeit hier hat mich emotionaler gemacht, auch wütender, wenn ich Menschen mit einer ablehnenden Haltung treffe, die noch nie Kontakt zu Flüchtlingen hatten.

Neugierig geworden? Ehrenamtliche und Gäste sind bei den Workshops herzlich willkommen! Um vorherige Anmeldung per Telefon unter 089 3243264 wird gebeten. Alle Infos und Termine sind auf der Webseite der Mohr-Villa nachzulesen. Laufende Infos erhält man auch im Newsletter der Mohr-Villa zu dem man sich per Mail anmelden kann.


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Barbara Link
Barbara Link ist freie Journalistin und hat für Willkommen-in-München.de geschrieben.