Jeden zweiten Tag ein neuer Ehrenamtlicher

Aktuelles aus München
Daniela Wiedemann und Anna Schwab Freiwilligen-Zentrum Süd München
12.04.2018

Jeden zweiten Tag ein neuer Ehrenamtlicher

Das Freiwilligen-Zentrum Süd feiert fünfjähriges Jubiläum. Wir wünschen alles Gute!

Das Freiwilligen-Zentrum (FWZ) Süd ist eine etablierte Einrichtung im Münchner Süden, die man nicht mehr wegdenken kann. Da überrascht es doch, dass das FWZ nicht schon seit 20 Jahren existiert, sondern erst vor fünf Jahren gegründet wurde.
Daniela Wiedemann ist die Leiterin des Zentrums. Sie ist seit der ersten Stunde mit Leidenschaft dabei: „Ich bin stolz darauf, wenn ich zurückblicke und sehe was ich und meine Kollegin hier aufgebaut haben.“

Aller Anfang ist schwer

Zuerst hatte Aktion Mensch ein paar wenige Stunden für die „Freiwilligenbörse“ finanziert. Doch schnell wurde klar: ein so großes Einzugsgebiet wie FoFüMax, Solln, Thalkirchen, Mitter- und Obersendling braucht mehr. Und so konnte die Landeshauptstadt München gewonnen werden, im Münchner Süden ein Freiwilligen-Zentrum zu schaffen, wie es bereits in anderen Stadtgebieten existierte.

„Als ich die Ausschreibung gelesen habe, habe ich mich natürlich sofort beworben! Ganz besonders hat mich es gefreut, dass bereits bei der Freiwilligenbörse der Grundstein gelegt wurde für die Schwerpunktarbeit mit Familien.“

Trotzdem war der Start nicht leicht. Fachlich konnte Daniela Wiedemann von der guten Zusammenarbeit mit den anderen Freiwilligen-Zentren in München, die sich im f-net zusammengeschlossen haben, profitieren. „Aber Aufbauarbeit hat immer dieselben Schwierigkeiten. Am Anfang heißt es Ansprechpartner recherchieren, Türklinken putzen und sich bekannt machen.“ Sobald der Kontakt zu den Sozialbürgerhäusern und den Einrichtungen aufgebaut war, lief es super. Die Akteure im Sozialraum haben sich gefreut endlich einen lokalen Ansprechpartner im Ehrenamtsmanagement und der Freiwilligenvermittlung zu haben.

Im Süden geht schon viel - aber bestimmt noch mehr!

Auch die Ehrenamtlichen fanden nach und nach stärker ihren Weg ins Zentrum. „Auch bei den Bürgerinnen und Bürgern muss man einfach erstmal bekannt werden. Die Menschen im Münchner Süden sind bereits recht aktiv. Aber da geht auf jeden Fall noch mehr!“ Dabei lacht Daniela Wiedemann. Sie erzählt weiter von den Begegnungen in den Gesprächen und wie es sie begeistert viele Menschen zu treffen, die motiviert sind. Sie ist zufrieden, wenn sie Ehrenamtliche und Einrichtungen bzw. Menschen und Bedarfe zusammenbringen konnte, sodass es für beide Seiten passt. Das bedarf viel Zeit – und die nimmt sie sich auch gerne. „Dass jemand anderen Menschen seine Zeit schenken will, das ist schon etwas Besonderes.“

Obwohl sich Daniela Wiedemann viel Zeit für den Einzelnen nimmt, kann sich die Bilanz sehen lassen: Im Schnitt hat das Freiwilligen-Zentrum in den letzten fünf Jahren jeden zweiten Arbeitstag einen Ehrenamtlichen beraten und vermittelt.

Familien und Willkommenskultur

„Das hat sicherlich auch etwas mit der großen Hilfsbereitschaft 2015 zu tun. In dieser Zeit haben wir deutlich an Bekanntheit und Zulauf gewonnen.“ So mancher, der zunächst Flüchtlingen helfen wollte, fand dann aber im Gespräch heraus, dass er eigentlich etwas anderes machen möchte. Zum Beispiel Mathe Nachhilfe geben oder mit dem Hund einer Seniorin im Stadtteil spazieren gehen. „Wir finden für jeden das Richtige, auch wenn er am Anfang noch gar nicht weiß, was das Richtige für ihn ist. Aber ohne Anna hätten wir diesen Qualitätsstandard nicht halten können.“

Anna Schwab ist seit 2016 Teil des FWZ Süd und unterstützt gezielt in der Flüchtlingsarbeit. Im Jahr der Münchner Willkommenskultur mussten dennoch vereinzelt Gruppenberatungen gehalten werden. „Das hat sich aber bald gelegt. Und es ist auch wichtig sich jedem einzelnen zu widmen. Mir macht die Arbeit auf jeden Fall viel Spaß!“ Anna Schwab weiß auch, wem geholfen wurde, der gibt gerne später etwas zurück. Deshalb beschäftigt sie sich damit, wie es gelingen kann, mehr Flüchtlinge für ein Ehrenamt zu begeistern.

„Familie ist das Kostbarste, was wir geschenkt bekommen. Familie bedeutet für mich persönlich Zusammenhalt und Gemeinsamkeit“, erzählt Daniela Wiedemann. „Familie bedeutet für mich aber auch Herausforderung. Da gibt es viele innere und äußere Interessen die man unter einen Hut bekommen muss: Partnerschaft, Erziehung, Job, Schule, Nachbarn… Da ist man schnell auch mal sehr alleine. Es muss nicht viel passieren, damit eine Familie einmal Hilfe braucht. Der ganz normale Familienwahnsinn halt. Das hat nichts mit Milieu zu tun.“

Wenn ein neues Geschwisterchen geboren wird und es ein Schreibaby ist oder wenn ein Elternteil schwer erkrankt und niemand den Sohn zum Fußball bringen und wieder abholen kann. In solchen Fällen ist Unterstützung wichtig. Die Familienpaten sind da und bieten niederschwellig und auf Zeit Hilfe, wenn es mal nicht rund läuft.
„Ich bin froh, dass wir in solchen Situationen die Möglichkeit bieten, dass ein ganz normaler Mensch mit Zeit, Lust und guter Laune rechtzeitig in einer Familie gehen kann und einfach Stress rausnimmt.“

Doch damit hört der Job für das FWZ nicht auf: selbstverständlich ist das Freiwilligen-Zentrum für seine Familienpaten auch nach der Vermittlung noch ansprechbar, passt auf, dass Ehrenamtliche nicht ausgenutzt werden und bietet ihnen Austausch und Fortbildung. „Seit Anna das Freiwilligen-Zentrum unterstützt, haben wir für die Familienpaten noch viel mehr aufbauen können. Ich bin sehr zufrieden, dass wir nun eine gute Begleitung für die Ehrenamtlichen von A bis Z bieten können.“

Für die nächsten fünf Jahre wünscht sich Daniela Wiedemann, dass die Förderung für die Stelle von Anna Schwab erhalten bleibt. So kann sie ihr Herzprojekt Familienpaten noch weiter ausbauen.

 


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AutorIn dieses Artikels

Marina Lessig
Philosophin und Innovationsmanagerin