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Surfing Sofa „Gemeinsam Gesellschaft gestalten“ – Teil 1

Am 1. Oktober fand im Korbiniansaal die Surfing-Sofa-Veranstaltung „Gemeinsam Gesellschaft gestalten“ statt. Im ersten Teil der Reihe ging es um Verantwortung und Selbstwirksamkeit. Gemeinsam mit Margaux Metze, Matthias Weinzierl und Dr. Norma Mattarei wurde darüber gesprochen, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht, welche Rolle zivilgesellschaftliches Engagement dabei spielt und was Menschen dazu bewegt, selbst aktiv zu werden.

Dr. Norma Mattarei nahm zunächst verschiedene Ebenen gesellschaftlicher Verbindungen in den Blick: von persönlichen Beziehungen in Familie und Freundeskreis über Vereine und Organisationen bis hin zur Gesellschaft als Ganzes. Gesellschaftlicher Zusammenhalt, so wurde deutlich, entsteht nicht von selbst, sondern braucht Begegnung, Beteiligung und die Möglichkeit, das eigene Umfeld mitzugestalten.

Selbstwirksamkeit entsteht durch Handeln.

Margaux Metze beschrieb, wie wichtig es ist, die Erfahrung zu machen: Mein Handeln bewirkt etwas. Gerade im Ehrenamt könne dieses Gefühl entstehen. Gemeinsames Handeln schafft Begegnungen auf Augenhöhe und kann auch Integrationsprozesse stärken. Matthias Weinzierl berichtete aus seiner eigenen Erfahrung im Engagement rund um den Kartentausch. Aktiv zu werden, gerade angesichts einer als bedrückend empfundenen politischen und gesellschaftlichen Situation, könne auch Ängste reduzieren: Man kann etwas tun und bleibt nicht allein mit seiner Sorge.

Gleichzeitig wurde kritisch diskutiert, wo die Grenzen zivilgesellschaftlichen Engagements liegen. Ehrenamt schafft Begegnungen, Vertrauen und schließt an vielen Stellen Lücken. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Aufgaben, die eigentlich staatlich gewährleistet sein sollten, zunehmend von der Zivilgesellschaft übernommen werden. Daraus können Überforderung und Erschöpfung entstehen. Auch der Zugang zu Unterstützung ist nicht für alle Menschen gleichermaßen möglich.

Gleiche Rechte und gesellschaftliche Teilhabe.

Dr. Mattarei betonte, dass gesellschaftliche Ungleichheiten auch durch unterschiedliche rechtliche Möglichkeiten entstehen können. Gleichzeitig gehört es zur Zivilgesellschaft, auf wahrgenommene Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen und sich für Veränderungen einzusetzen. Margaux Metze verwies dabei auf die hohen Hürden, die eigenverantwortlichem Handeln entgegenstehen können – etwa in den Bereichen Recht, Sprache und Wohnen.

Besonders deutlich wurde, welchen persönlichen Gewinn Engagement haben kann. Matthias Weinzierl betonte, dass der Begriff „Ehrenamt“ diesen Aspekt manchmal zu wenig sichtbar mache: Wer seine Stadtgesellschaft mitgestaltet, gewinnt selbst etwas zurück – Begegnungen, Vertrauen, Zugehörigkeit und das Gefühl, gemeinsam etwas bewegen zu können. „Wenn wir das machen, gewinnen wir viel“, brachte er diesen Gedanken auf den Punkt.

Die Fishbowl

In der anschließenden Fishbowl-Diskussion wurden die Perspektiven erweitert. Es ging um Unterschiede zwischen Stadt und Land und zwischen verschiedenen Bundesländern, um die Bedeutung analoger Räume für Begegnung und um die Frage, wie Zivilgesellschaft angesichts zunehmender Unsicherheiten und möglicher rechtlicher Konsequenzen gestärkt werden kann. Auch persönliche Erfahrungen mit Engagement wurden geteilt – etwa aus Sprachpatenschaften oder anderen Formen der Unterstützung.

Als wichtige Stellschrauben wurden unter anderem eine Veränderung der Asyl- und Migrationspolitik, der kritische Umgang mit falschen oder vereinfachenden Behauptungen sowie mehr Vertrauen, Sensibilisierung und Räume für Austausch genannt.

Begegnung bleibt ein zentraler Schlüssel:

Veranstaltungen wie das Surfing Sofa schaffen die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und Zusammenhalt unmittelbar zu erfahren.

Der Abend hat gezeigt: Gesellschaft zu gestalten bedeutet nicht nur, politische Entscheidungen zu beeinflussen. Es beginnt oft im Kleinen – dort, wo Menschen einander begegnen, Verantwortung übernehmen und erfahren, dass das eigene Handeln einen Unterschied machen kann.