Mehr als nur Nachhilfe

Stephan Schwaß macht mit seiner Schülerpatenschaft nicht nur Hausaufgaben leichter.

Yvonne Möller, Koordinatorin der Schülerpatenschaften im Caritas-Freiwilligen-Zentrum München Ost, vermittelt jedes Jahr etwa 40 Schülerpatenschaften. Der Bedarf ist groß. Sie sagt: „Eine Schülerpatenschaft ist weit mehr als ‚nur‘ Nachhilfe geben. Das Engagement geht oft über schulische Dinge hinaus.“ 

Als wir Stephan Schwaß und Ozan im Frühjahr 2015 begegnen, treffen die beiden sich seit einem Jahr einmal in der Woche. Und man merkt schon bei der herzlichen Begrüßung: Da ist ein vertrautes Team entstanden, das viel Spaß miteinander hat. Ozan ist kein Flüchtling. Er ist in Pasing geboren. Seine Eltern sind 1992 aus der Türkei nach München gekommen.  Mutter und Vater sind schwer krank, Ozans Geschwister inzwischen erwachsen und Ozan hat daheim viele Aufgaben zu meistern. Als dann noch ein häufiger Lehrerwechsel hinzukam, merkte eine der Schulsozialarbeiterinnen, dass der fröhliche 16-Jährige Unterstützung braucht. 

Stephan Schwaß wiederum war schon während seines Studiums in Bamberg ehrenamtlich als Schülerpate aktiv gewesen und wollte dieses Ehrenamt auch an seinem neuen Arbeitsplatz in München weiterführen. Das Caritas Freiwilligen-Zentrum München-Ost vermittelte. „Wir haben uns dann zusammen mit der Schulsozialarbeiterin im Schülercafé getroffen“, erzählt der Betriebswirt. „Es war schnell klar, dass wir gut zusammen passen.“

Bereicherung - für beide

Beim ersten Treffen führte Ozan den 29-Jährigen erstmal durch „sein“ Viertel und Schwaß lernte dabei auch die besten Döner-Adressen Giesings kennen. „Ozan ist völlig unkompliziert, für alles offen und es ist nie schwer, ein Gesprächsthema zu finden“, sagt Schwaß. „Mit Stephan mache ich Sachen, die ich mit meinen Eltern und Geschwistern nicht machen kann“, erzählt Ozan. Die beiden waren Billard spielen, im Kino, beim Fußballspiel und inzwischen ist Ozan auch ein geschätzter Torwart bei der SpVgg Thalkirchen. „Die brauchen mich im Tor und als Übersetzer, denn da sind einige Flüchtlinge, die nur Türkisch können.“

Im Frühjahr 2015 hatten die beiden noch eifrig für den „Quali“ gelernt, den qualifizierenden Hauptschulabschluss. Das bedeutete auch für Stephan Schwaß Lerneffekte. Mittlerweile hat Ozan den Schulabschluss in der Tasche und macht eine Ausbildung zum Lageristen. Der Kontakt ist nicht abgerissen. Das EM-Halbfinale Deutschland gegen Frankreich haben die beiden gemeinsam bei einem Sommerfest der Nachbarschaft angesehen: "Der Ausgang ist bekannt, aber Spaß hatten wir trotzdem." Der junge Mann freut sich sehr über das gemeinsam Erreichte: "Es gibt zwar nicht mehr die Schüler-Pate-Beziehung, aber die Großer Bruder-kleiner Bruder-Beziehung auf jeden Fall." 

Die "Chemie" muss stimmen

Schülerpatenschaften mit Flüchtlingen verlaufen ganz ähnlich wie das hier geschilderte Beispiel. „Nur die Vorbereitung der Paten verläuft inhaltlich anders und intensiver“, erklärt Freiwilligen-Managerin Yvonne Möller. „Das Wichtigste ist, dass sich die beiden gut verstehen.“

Wer sich für das Ehrenamt eines Schülerpaten interessiert, kann sich direkt bei Yvonne Möller im Freiwilligen-Zentrum München Ost melden: fwz-ost@caritasmuenchen.de. Bei einem persönlichen Gesprächstermin findet eine ausführliche Information und Beratung statt: Für die Übernahme einer Patenschaft ist ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis notwendig. Es gibt regelmäßige Treffen und Weiterbildungsangebote.