Fachtag Sozialpolitik an der Hanns-Seidel-Stiftung: Integration durch Engagement

Aktuelles aus München
Podiumsdiskussin zum Thema Integration an der Hanns-Seidel-Stiftung München
15.11.2018

Fachtag Sozialpolitik an der Hanns-Seidel-Stiftung: Integration durch Engagement

Welche Potentiale bietet das ehrenamtliche Engagement bei der Integration von Menschen mit Fluchthintergrund? Welche Hürden gibt es und was sind die Antworten darauf?

Die Idee, dass mehr Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund sich ehrenamtlich engagieren könnten, ist nicht neu. Denn der Ansatz ist vielversprechend: Ein Engagement bietet die Möglichkeit, Kontakte in die Stadtgesellschaft zu knüpfen und ein Netzwerk aufzubauen. Und dennoch gibt es Hindernisse. Was in der Theorie so einfach klingt, stößt in der Praxis auf Hürden.

Wie wir diesen begegnen können, das war eine der Fragen, mit der sich die Podiumsteilnehmenden am 10. November beim Fachtag Sozialpolitik an der Hanns-Seidel-Stiftung auseinandergesetzt haben. Andreas Voßeler (Caritas, Willkommen-in-München.de), Dr. Gerlinde Wouters (FÖBE), Sayed Sayedy (Asylsozialberater), Tina Pickert (CSU) und Nadia Andreae (Caritas Fachbereich Integration) diskutierten in der Podiumsdiskussion die kritischen Punkte.

Integration durch Engagement

„Ehrenamtliches Engagement bietet einfach eine sehr gute Chance, um Kontakte zu knüpfen und Beziehungen aufzubauen. Das ist nicht nur persönlich, sondern auch wenn es um Wohnung und Arbeit geht sehr hilfreich – gerade auch für Menschen mit Fluchthintergrund“, schildert Dr. Gerlinde Wouters. Auch Sayed Sayedy, selbst geflohen aus Afghanistan, bestätigt diese Einschätzung: „Der Wunsch der Menschen ist oftmals, mit ‚ganz normalen Deutschen‘ zusammen zu sein. Ein Engagement bietet da eine gute Möglichkeit, um auch außerhalb der eigenen Kreise Anschluss zu finden.“ Nadia Andreae schließt an: „Ein Engagement kann ein großes Empowerment sein, aus Passivität kann Aktivismus werden.“

Und dennoch, so stellen die Podiumsteilnehmenden fest, ist das Interesse von Menschen mit Fluchthintergrund an einem Ehrenamt nicht ganz so hoch. Die Ursachen liegen nahe. So erörtert Andreas Voßeler: „Solange die Grundbedürfnisse von Menschen wie beispielsweise Sicherheit und Selbstbestimmung, aber auch Arbeitsplatz, Wohnung etc. nicht befriedigt sind, ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass sie sich für einen gesellschaftlich relevanten Zweck engagieren.“ Die Quintessenz der Runde: Wenn die persönliche Zukunft noch unsicher ist und das eigene Schicksal sehr im Vordergrund steht, beispielsweise aufgrund eines unsicheren Aufenthaltsstatus, ist es schwierig, Menschen für ein Ehrenamt zu motivieren. Zuerst müssen immer die Grundbedürfnisse der Menschen erfüllt werden; dann steigt auch wesentlich die Motivation, sich ehrenamtlich zu engagieren.

 

 

 

 


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AutorIn dieses Artikels

Mareen Werthefrongel